Zeitungsartikel WZ

Vor einigen Tagen bekam ich eine Email von einer Geocacherin. Diese war an dem Tag mit einer Reporterin der WZ unterwegs, welche einen Artikel über Geocaching geschrieben hat. Was ich damit zu tun hab? Nun – sie war in der Grachtensiedlung unterwegs, hat meinen dortigen Cache gesucht und mich gefragt, wie ich zum Thema „Geocaching & Presse“ stehe und in welcher Form ich meinen Geocache erwähnt haben möchte. Beispiel: „Irgendwo in Ratingen…“ oder „In der Grachtensiedlung…“.

Ich verstehe die No-Press-Einstellung der Geocaching-Szene. Gerade bei Geocaches in Lost Places oder Naturschutzgebieten kann eine Veröffentlichung in den Medien zu einer Steigerung der Besuchszahlen und dadurch ggfs.  zu Schäden führen. Nicht so in der Grachtensiedlung. Da sie meiner Meinung nach einer der wirklich schönen Plätze in Ratingen West ist, kann sie auch gerne jeder sehen (und vielleicht einige Vorurteile gegen Ratingen West aus der Welt schaffen). Daher gabs von mir die Erlaubnis.

Für heute war der Artikel geplant – ich habs zwar nicht geschafft, mir die Zeitung zu kaufen, aber zum Glück gibbet ja noch das Internet – dort konnte ich dann auch alles nachlesen. Das hier ist der Artikel:

Ratingen: Mit Lady Allista auf der Suche nach verborgenen Schätzen

von Vera Zischke
Geocaching, das ist eine Art moderne Schnitzeljagd. Kerstin Sturmat betreibt das Hobby mit zum Teil großem Aufwand.

Ratingen. Links liegt der Schatz. Eindeutig, da gibt’s keinen Zweifel. Zumindest für das GPS-Navigationsgerät, das gerade eine Landkarte nebst Pfeil anzeigt. Nur leider steht links ein Hochhaus. Eine Straße wäre besser. „Kein Problem“, sagt Kerstin Sturmat, „das Gerät zeigt die Luftlinie an, wir suchen uns jetzt eine Straße“.

Die 33-Jährige, die auf Geocaching-Portalen als Lady Allista bekannt ist, hat ein Herz für Menschen, die wenig Ahnung von dieser modernen Form der Schnitzeljagd haben und darüber auch noch einen Artikel schreiben wollen. Drei weitere Anfragen bei Cachern (Schatzsuchern) aus dem Kreis wurden nicht beantwortet oder endeten in Absagen. Eine Begründung: Die Presse berichtet zu reißerisch. Nein, „die Presse“ ist heute hier, um einen Schatz zu finden und um zu verstehen, warum Geocaching immer mehr Leute jeden Alters fasziniert.

„Ihr steht vor einem Schild, wie viele Buchstaben hat der Weg, der dort zu lesen ist?“

Das 1.Rätsel am Zwischenziel

Im Moment ist das nicht so einfach. Mitten auf der Dieselstraße, zwischen Stehcafé und Sozialbau, ist von dem Gefühl von Abenteuer nicht viel zu spüren. Aber die Beschreibungen von Kerstin Sturmat verraten, dass es da noch mehr gibt. Auf der Suche nach Schätzen ist sie schon durch Höhlen, auf Bäume und Türme geklettert – aber erst nach einem Kletter-Kurs für Geocacher beim Alpenverein in Solingen.

GPS-Daten müssen durch Rätsel ermittelt werden

Für die Tour heute hat Kerstin Sturmat auf einer Geocaching-Plattform im Internet eine Route ausgesucht. Dabei müssen schrittweise Rätsel gelöst werden, um die GPS-Koordinaten für die jeweils nächste Etappe zu ermitteln. Auf einem ausgedruckten Routenzettel stehen die Anfangskoordinaten und die Aufgaben.

Wir haben das erste Ziel erreicht. Jetzt steht auf dem Zettel: „Ihr steht vor einem Schild. Wie viele Buchstaben hat der Weg, der dort zu lesen ist?“ Flugs nachgezählt, wird die Zahl in eine Formel eingesetzt, die wiederum die neuen Koordinaten ergibt. Das ist noch einfach. Bei nachfolgenden Stationen muss mehr gerechnet werden. Am Ende sind die Koordinaten komplett verschlüsselt.

Aber es geht noch heftiger: „Ich habe mal einen Plexiglaswürfel mit einem Labyrinth und einer Filmdose im Innern gefunden. Ich musste eine Kugel da durchbugsieren, erst dann öffnete sich der Würfel und gab die Dose mit den Koordinaten frei“, erinnert sich Kerstin Sturmat.

Für einen Tag zum Geocaching nach Schweden geflogen

So hart muss das Erfolgserlebnis hier nicht erkämpft werden. Es geht um eine Straßenbiegung, und plötzlich tut sich eine landschaftliche Idylle auf, mittendrin ist ein gigantischer Teich. Wir sind im Herzen des Grachtenviertels. „So einen Ort würde man hier nie erwarten. Die Ecke hätte ich ohne Geocaching nicht gefunden“, sagt Kerstin Sturmat. Auf Reisen erkundet sie den Urlaubsort gern beim Schatzsuchen. Neulich ist sie zum Cachen für einen Tag nach Schweden geflogen.

In Ratingen steht jetzt die nächste Station an. Diesmal geht es darum, aus einer gewissen Perspektive den Blick auf zwei Häuser zu lenken und deren Hausnummern zusammenzuzählen. Bleibt die Frage, welche Perspektive es denn sein darf? Der Blick wandert auf ein Haus mit grünen und eines mit roten Fensterrahmen. So auffällig, das kann doch kein Zufall sein. „Könnte es nicht eher das sein?“, fragt Kerstin Sturmat und deutet mit dem Kopf auf zwei unscheinbarere Häuser. Erwischt. Wer den Routenzettel genau liest, findet den Hinweis auf den richtigen Blickwinkel. Lady Allista gibt die letzten Koordinaten ein, diese führen zum Ziel.

Es geht raus aus dem Viertel und rein in die Natur. Die liegt Kerstin Sturmat besonders am Herzen, weil Geocaching immer populärer wird. „Ich habe neulich einen selbst gelegten Cache entfernt, für den man ein Stück durch ein Naturschutzgebiet musste. Wenn das 20Leute im Jahr machen, ist das kein Problem. Aber 200 sind zu viel.“

Geheimhaltung ist oberste Geocacher-Pflicht

Ihre goldene Regel: „Es reicht, den gesunden Menschenverstand einzuschalten. Dann weiß man, dass man nicht durch Privatgärten läuft und keinen Müll hinterlässt. Geocacher sind generell sehr naturverbunden.“ Als Ehrensache gilt, sich nicht beim Cachen erwischen zu lassen, um die Schätze vor Zerstörung zu schützen. Das gilt jetzt auch. Das GPS-Gerät zeigt an, dass wir am Ziel sind. Jetzt muss der Schatz geborgen werden, der irgendwo im Umkreis von vier Metern liegt. Kerstin Sturmat deutet mit dem Kopf in Richtung Böschung. Da liegt er. Es kribbelt.

Am Ende ist der Schatz eine Butterbrotdose, die mit Plüschtieren und einem Geodreieck gefüllt ist. Aber für den Moment ist das etwas Wertvolles, ein Zeichen für Erfolg. Im Logbuch hinterlässt man eine Nachricht. „Juhu, mein erster Cache“, steht jetzt da. Ein gutes Gefühl. Aber jetzt schnell in Deckung, ein Fußgänger kommt. Danach wird die Dose wieder gut versteckt.

Besonders beim Cachen an öffentlichen Orten hilft eine menschliche Eigenschaft, die Kerstin Sturmat immer wieder beobachtet: „Die Menschen achten nicht auf ihre Umgebung.“ Es gibt Caches, da steht ein Schild mit einem völlig sinnfreien Text in der Gegend rum. Nur Cacher wissen: In UV-Schrift sind Koordinaten darauf geschrieben. Es gibt einen Kirchenzaun mit Metall-Kugeln, der hat an einer Stelle eine Kugel zu viel – die ist aus Plastik und ein Cache.

Die meisten Menschen merken gar nicht, dass überall Schätze sind

Angesichts von so viel Mühe ist es verständlich, dass leidenschaftliche Cacher wie Kerstin Sturmat die Schätze schützen möchten. Auch die Presse hat versprochen, eisern über den Ort des Schatzes zu schweigen. Aber so viel sei verraten: Im Kreis finden sich kaum ein Marktplatz und keine Kirche, an denen nicht mindestens ein Schatz versteckt ist.

Quelle: wz-newsline.de

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