Wie weit fahren…

…. für einen einzigen Geocache? Also ich meine jetzt nicht Geocaches, die man im Urlaub abarbeitet oder den am weitesten entfernten auf einer Tradi-Runde… Ich gebe zu: in der letzen Zeit habe auch ich mich mehr auf Quantität statt auf Qualität konzentriert. Bedeutete in erster Linie große Tradi-Runden und viele einfache Statistik-Caches. Es darf applaudiert werden! Leider habe ich so das Auge für die besonderen Caches verloren. Jene, von denen man nur durch Zufall erfährt… Jene, die auch noch lange in Geschichten weiterleben. Mal wieder dringend Zeit für einen aus dieser Rubrik!

Als ich mir letztens – aus demselben Grund: für mehr spezielle Geocaches halt – ein Seil im Cachershop geholt habe , bin ich mit der (ich glaube) Inhaberin ins Klönen geraten und habe ein paar Infos zu einem interessanten Geocache aufgeschnappt: T4… Premium… Untergrund… Wuppertal… zu Hause hab ich mir das ganze mal genauer angeschaut: tatsächlich existiert ein Premium-Cache, der in den Wuppertaler Untergrund führt. Angehen kann ihn aber a.) natürlich nicht jeder und b.) immer nur ein paar Leute gleichzeitig. Es gibt als Zugangsvoraussetzung nämlich 5 TB’s, die durchs Bergische Land reisen und von denen jeder (einzeln) notwendig für den Zugang zum Cache ist. Ich musste nur leider feststellen, daß es einen TB schon gar nicht mehr gab und die anderen 4 bereits in den Händen anderer Geocacher waren. Also hieß abwarten… abwarten… abwarten… toll 😦

Tag 1: Heute hatte ich aufgrund der Zeitumstellung ja eh ne Stunde länger bis zur Spätschicht. Also warum nicht noch mal schauen, was sich so für Dosen lohnen würden. Gibbet vielleicht was neues bei den TB’s? Schau ma einer guck: einer der TB’s liegt zwischen Solingen und Wuppertal. In einem sehr interessant scheinenden Mystery. Das Rätsel war nett gemacht und dauerte ein knappes Stündchen. Checken konnte ich die Koordinaten im Vorfeld leider nicht, also hab ich eine Mail an die Owner geschickt…. wenn es nur so leicht wäre, einfach zu warten… zu warten… zu warten… ach was soll’s…

Bei knackigen -1°C und mit einem fetten grippalen Infekt (nee, ist leider ein Streptokokken-Rückfall, wie meine Tochter ihn seit Vorgestern auch hat) in den Knochen ging es dann also ab ins warme Auto und los. Die zu Anfang gestellte Frage „Wie weit fahren für einen Geocache?“ kann ich zwar noch nicht komplett beantworten, aber alleine für den Zugangs-TB waren es jetzt schon mal 65km. Der worst case (Koordinaten stimmen nicht / TB schon weg und nur noch nicht geloggt) ist glücklicherweise nicht eingetreten. Und Fahrerei hat sich auch schon gelohnt, wie folgende Fotos beweisen:

Der Mast war übrigens vorher schon umgeknickt – auch wenn man es vermuten mag: es geschah also nicht durch mein Körpergewicht. Sobald es die nächsten Tage (vielleicht ja morgen schon… da hab ich nämlich frei und hoffe, gesundheitlich wieder etwas besser dazustehen) dann in den Untergrund geht, folgen weitere Zeilen und Fotos.

Tag 2 (tatsächlich der Tag darauf): Heute wurden meine üblichen verdächtigen Lieblingsmitcacher (Ackeratze und Morschl) eingesammelt und zur Mittagszeit ging es mit Sack und Pack Richtung Wuppertal. Die Startkoordinaten waren ja schon klar… aber damit, daß es oberirdisch noch eine solch unverschämte Station gibt, hat keiner gerechnet. Neue Koordinaten eingegeben und dann sollte es endlich Richtung Untergrund gehen.

Vor Ort angekommen war erstmal nichts zu sehen, was einen Weg in die Unterwelt hätte darstellen können… nur viele Menschen… und Autos… aber halt… Moment mal… wie sieht’s denn hinter dem… oh, da geht’s ja tatsächlich runter! Also Full Stealth Mode an und schnell abwärts.

Erster Eindruck: Glückwunsch! Abwasser und Unrat! Was ganz besonderes! Arschlecken, so weit bis zum Cache wird’s ja nicht sein! Taschen- und UV-Lampen an und ab dafür! Nach den ersten 200m änderte sich jedoch schlagartig das Klima von „3°C kalt und stinkig“   in   „25°C warm und … ach… den Gestank merkt man schon gar nicht mehr„. Die Heizungsrohre und der austretende heiße Wasserdampf haben tatsächlich für ein gewisses Wohlfühlklima gesorgt. Okay, ausgenommen die Passagen, in denen man wirklich keine Luft bekommen hat, weil man mit dem Kopf im Qualm hing. Ist ja nur Wasserdampf, also eigentlich nix schlimmes. Diesen Gedanken hatten wir genau bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir eine High-Tech-Kamera passierten, die auf eine High-Tech-Warnleuchte neben einem High-Tech-Gasmessgerät gerichtet war. Geraucht haben wir seitdem mal lieber nicht mehr.

Trotzdem ließ es sich bei dem Klima über die komplette Distanz (ca. 2km in 2 Stunden…. kann aber auch weniger Zeit gewesen sein) aushalten. Da ich nicht mehr als nötig spoilern will, halte ich mich ab jetzt kurz: Die Stationen waren alle cool gestaltet, wir mussten in den nicht enden wollenden Katakomben echt viel klettern und kriechen, aber man tut ja sonst nix für die Fitness…

Es ist jedes Mal wieder erstaunlich, was man in der Stille der Unterwelt / eines Lost Places auf einmal für Geräusche hört: von asymmetrischem Klopfen (könnte auch gut und gerne ein abgenagter Knochen sein, der hungrig auf ein Rohr geschlagen wird) über monotones Schleifen hinter der nächsten Ecke (fieser Mutant mit Hinkebein) bis hin zu unnatürlichem Brummen und Quietschen gab es kein Geräusch, das unsere Sinne verschont hätte. Dazu kam noch der Hinweis, daß der Geocache nach Regenfällen nicht angegangen werden solle, weil… irgendwas mit… Lebensgefahr…. und so. War aber definitiv glaubwürdig, wenn man an den Wänden und Trittstufen sah, wie hoch das Wasser schon mal stand. Und der lautstark austretende Wasserdampf, der akustisch einer anrollenden Flutwelle glich, hat auch nicht so richtig zur allgemeinen Beruhigung beigetragen wollen.

Den Rückweg haben wir aufgrund der körperlichen Anstrengung dann doch lieber an der Oberfläche genommen – da konnte man endlich mal wieder eine rauchen! Außerdem taten uns die Knochen weh, wir waren müde und uns war kalt! HA! Da waren se wieder, die ollen Mädchen!

Zusammengefasst ein sensationeller Trip! Hier ein paar aussagekräftige Fotos:

Um nun abschließend doch noch die Frage gaaanz oben zu beantworten: für diesen einen Cache bin ich seit gestern insgesamt 175km gefahren! Damit wäre mein letzter Rest Geburtstagsgeld im Tank verschwunden, aber hey: dafür war’s ja auch da und jeder Meter hat sich gelohnt!

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