Das erste Mal…

… tut nicht immer weh. In meinem Fall war’s nur einfach saumäßig anstrengend, weil ich gleich 3x hintereinander ran musste! Hab danach sogar etwas geblutet…

Wie? Wat? Worum geht’s? Ums Klettern. Genauer: Seilzugangstechnik  bei T5 Geocaches. Einfache Story, lang erzählt.

Kurze Vorgeschichte: Ich habe vor geraumer Zeit einen Einsteiger T5-Kurs beim wirklich sehr qualifizierten Andi in der Kletterfabrik „Vertikal Labor“ in Münster absolviert. Das überaus zufriedenstellende Ergebnis dieses harten Kurses war, daß ich jede Menge neues Wissen in meinem Spatzenhirn hatte, welches sich nun irgendwie noch festigen musste. Aber wie das mit allen Sachen ist, die man neu lernt: nur Übung macht den Meister!  Nur wie? Mal eben so ne komplette Kletterausrüstung kaufen? No Way – Keine Kohle! Verdammt… da hätte ich mir vielleicht mal vorher Gedanken zu machen sollen. Also musste es laufen wie immer: Stück für Stückzusammenkaufen und hoffen, daß man nicht die Lust daran verliert… Einen Gurt & Helm gab’s glücklicherweise schon im Monat drauf zu Weihnachten von der Familie – das sollte motivieren. Hat es auch: der Rest kam wirklich über 1,5 Jahre peu-à-peu. Hier ein Karabiner, da ne Bandschlinge, mit etwas Glück ne Steigklemme etc. Aber geklappt hat es schlussendlich trotzdem.

Nur… Merkste wat? Genau! 1,5 Jahre gingen ins Land und ich habe nicht ein einziges Mal das Erlernte angewendet. Dann stand auch noch der Winter vor der Tür… und wieder hieß es pausieren. Der Sommer 2013 hat sich ja auch eeeewig bitten lassen und so konnte es tatsächlich erst vor kurzem losgehen. Letzte Woche um genau zu sein.

Unsicher, ob mein Wissen die Kategorie „erlernt“ zu „vergessen“ gewechselt hat, beschloss ich vorsichtshalber, mich erstmal waghalsig an einer Schaukelstange im  Türrahmen in den heimischen 4 Wänden aufzuhängen:

1.) Materialcheck? Jo, alles da, nix verrostet, kein Grünspan, kein Staub!

2.) Knotentechnik? Vergessen tut man die paar wichtigen Knoten als alter S&M’ler nicht so schnell!

3.) Passt der Gurt noch um den dicken Bauch? Oh, schau mal einer an! Ich hab ja abgenommen! 

4.) Hält die Teleskop-Kleinkind-Schaukelstange im Türrahmen? Siehe 3.)

5.) Guckt gerade auch niemand? Doch… das Weib verschwindet gerade kopfschüttelnd in der Küche.

Also los! Erst noch relativ zaghaft, doch dann hing ich tatsächlich da und bin nicht aufm Arsch gelandet.  Wow! Das war ja leicht!

Gut, aber wie funktioniert das ganze jetzt am Baum? Verdammt, im Baum!  Da oben! Ich hab ja gar kein Wurfset – wie soll ich denn nur das blöde Seil da hoch bekommen? Mal schauen, was sich so im Werkzeugkoffer finden lässt…. mmmhhhh…… hier muss doch irgendwo….. ah ja da!  50m fein säuberlich aufgerollte Universalschnur. So weit so gut… aber was binde ich da dran? Och… 2 Ringe! Wo kommen die denn her?  Joa… liegen gut in der Hand und haben ein angenehmes Gewicht.Keine sehr schöne Konstruktion, aber das sollte schon so funktionieren.

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Und nun ab zu meinem Kletterbaum, um die schon längst überfällige Wartung meines Geocaches durchzuführen. Ein wunderschöner Sommertag bei unerbitterlichen 33°C… Der Rucksack war schnell gepackt, die Familie wurde kurzerhand (zum Hilfe holen, falls was schief geht) zum Zugucken verdonnert und nach einer Stärkung beim Pizzamann ging’s auch schon los.

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Erste vorsichtige Einschätzung: machbar! Die Ringe müssen über einen Ast in ca. 12m Höhe… so hoch werfe ich allemal! Geeignete Anschlagpunkte gab es jetzt nicht unbedingt in Hülle und Fülle, aber ein relativ guter war da. Der sollte es also sein.

Nach nur 4 Versuchen (3 Lattentreffer und einmal Verheddern) hing die Schnur aber tatsächlich über dem geplanten Ast und das Seil ließ sich einwandfrei hochziehen. Erneuter Materialcheck… Anschlagpunkt gewählt, Seil eingebaut, die neue Dose am Gurt befestigt und Helm auf!  Verdammt, ob meine Knoten halten? Na, das werde ich erstmal testen! Eingeklinkt und ins Seil gehangen. Hält. Reinfallen lassen. Hält. Wie ein Wilder rumgehüpft. Hält. Na, dann hoffen wir mal, daß es sich in 10m Höhe ebenso verhält!

Und nun ran an den Speck. Wie war das noch mal? Hochschieben, durchdrücken, nachziehen… nach den ersten 3 Minuten, in denen ich mich tatsächlich etwas plump und steif bewegt habe, hatte ich den Dreh jedoch raus und erste Meter gemacht. Auf halber Höhe fiel mir ein, daß mir noch ne Seilrolle an der Steigklemme fehlte, um die Reibung zu minimieren. „Was soll’s, musst ja nur einmal da hoch“ dachte ich und schraubte mich weiter nach oben. Woran ich mich allerdings noch gewöhnen muss: die doofen Äste, die ein Baum so hat. Um die muss man ja auch noch irgendwie rum (hatten in dem T5er Kurs halt nur an Wänden geübt)… naja, das werde ich das nächste Mal versuchen, beim Werfen zu berücksichtigen.

Nach 10 Minuten Ackerei (ihr erinnert euch? 33°C) hielt ich dann aber doch endlich die alte Dose in der Hand und war im Begriff, sie gegen das neue gebastelte PVC-Rohr auszutauschen… als… sich der Knoten langsam löste und… das PVC Rohr herunterfiel. Kurzes Grummeln meinerseits. Ach was soll’s…. wenn’s einmal Spaß gemacht hat, macht es das sicher ein zweites Mal auch! Also abgeseilt, Rohr aufgesammelt, neu am Gurt gesichert und wieder ab nach oben. Auch dieses Mal fiel mir auf halber Höhe etwas auf: Handschuhe wären nicht schlecht! Meine Herren, das Seil reibt schon ganz ordentlich. Weiter ging’s – mit sichereren Bewegungsabläufen hab ich auch 3 Minuten weniger nach oben gebraucht. Als ich das Rohr im zweiten Versuch erfolgreich am Baum fixiert hatte, kontrollierte ich noch schnell das Logbuch, machte ein Foto von mir (Mannomann sieht man mit dem Helm beschmiert aus!) und hörte es dann tief unter mir leise aufschlagen. Hä? Was war das denn jetzt? Und wo ist der Deckel von dem Rohr…..? VERDAAAAAAAAMMMMMMTTT!!!!

Ach was soll’s…. wenn’s zweimal Spaß gemacht hat, macht es das sicher ein dritt… KOTZ….!  Abgeseilt, irgendwo unachtsam nen Ast erwischt, Knie aufgeschrammt, unten angekommen lautstark gemoppert und nach Luft gerungen. Glücklicherweise wohnen wir nicht weit weg von dem Baum und meine bessere Hälfte hat sich dazu bereit erklärt, etwas zu trinken zu holen. Nach 30 Minuten Pause – ich mach’s kurz – ging es dann ein drittes mal hoch. Schmerzendes Knie, schmerzende Hände, Kondition im Arsch. Aber diesmal hat’s (erneut in kürzerer Zeit) geklappt. Wieder runter, alles zurückgebaut, verstaut und zufrieden auf die Bank gesetzt. Mission accomplished!

 

Fazit:

Großartig! Für das erste Mal – und vor allem nach der langen Zeit – hätte es denkbar anstrengender, schlechter und gefährlicher laufen können. Isses aber nicht und das ist auch gut so! Ich habe wieder Spaß an der Materie entwickelt und freue mich auf jeden weiteren Baum, jede weitere Brücke usw, die ich bezwingen werde. Mein Blick für mögliche Kletter- und Abseilspots ist nun geschärft und ich bin mir sehr sicher, daß ich bald meinen nächsten T5er loggen werde.

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